Suchen und Finden

Titel

Autor

Inhaltsverzeichnis

Nur ebooks mit Firmenlizenz anzeigen:

 

Zerrüttete Lande

Zerrüttete Lande

von: Aaron Laser

vss-verlag, 2020

ISBN: 9783961272075

Format: PDF

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's

Preis: 6,99 EUR

Exemplaranzahl:  Preisstaffel

Für Firmen: Nutzung über Internet und Intranet (ab 2 Exemplaren) freigegeben

Derzeit können über den Shop maximal 500 Exemplare bestellt werden. Benötigen Sie mehr Exemplare, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.


Mehr zum Inhalt

Zerrüttete Lande


 

Prolog Auf und nieder, auf und nieder, so pflügte die Salia durch die Wellen. Trotz des guten Wetters war das Meer aufgewühlt und der Seegang dementsprechend rau. Dennoch bahnte sich das Schiff zielstrebig seinen Weg durch die Wassermassen. Die Reise der Salia sollte gen Osten gehen, an unbekannte Ufer, die nie zuvor ein Mensch betreten hatte. Ein neues Leben und eine neue Zukunft warteten dort auf die Besatzung, die alles tat, um das bauchige Schiff auf Kurs zu halten. Jede größere Welle ließ das gesamte Schiff erzittern und den Menschen an Bord fiel es schwer, auf dem nassen Deck nicht den Halt zu verlieren. 'Große Welle Backbord, alle Mann festhalten!', hallte die Warnung eines Seemanns über das Hauptdeck. Schon im nächsten Moment ergoss sich das Salzwasser über die glitschigen Holzdielen und die Gischt raubte den Seeleuten für kurze Zeit die Sicht. Wie durch ein Wunder hatte es Jeder geschafft, sich irgendwo festzuhalten, sodass, trotz der Urgewalt des Wassers, Niemand über Bord gegangen war. Auch wenn sich im Moment nur die erfahrenen Seeleute auf dem Hauptdeck befanden, so war die Seefahrt doch immer ein Spiel mit dem Feuer. Die wenigen Männer und Frauen, die jahrelange Erfahrungen im Umgang mit den Gezeiten hatten, taten an Deck ihr Bestes, um das Schiff vor Seenot zu bewahren. Der Rest der Besatzung befand sich unter Deck, wo sie ausharrten und einen ruhigeren Seegang herbeisehnten. Während über Deck große Unruhe herrschte, stand ein einzelner Mann ein Stück abseits und strahlte, trotz des Chaos, das ihn und die Besatzung umgab, eine einzigartige Ruhe und Gelassenheit aus. Dieser Mann wollte sich dem Ozean nicht beugen, dieser Mann musste auch bei schwierigen Bedingungen an Deck stehen und der See trotzen, dieser Mann hatte die Pflicht, als strahlendes Beispiel voran zu gehen und seine Leute in eine neue Heimat zu führen. Der Name dieses Mannes war Adelar. Seine langen schwarzen Haare hingen ihm in nassen Strähnen im Gesicht und sein edler Umhang hatte durch das Salzwasser eine dunkle Färbung angenommen. Doch Adelar scherte sich nicht darum, er stand breitbeinig und mit vor der Brust verschränkten Armen am Bug des Schiffes, den Blick fest auf den Horizont gerichtet. Mit versteinerter Miene schaute er in die Ferne, in ständiger Erwartung, dort das Ziel ihrer Reise zu erblicken. Keine Welle- und war sie noch so gewaltig gewesen- hatte es geschafft, ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen und es machte fast den Anschein, als wäre der Mann eher die Gallionsfigur, als der Kommandant des Schiffes. Hinter ihm hörte er die Schritte eines sich nähernden Matrosen, der gekommen war, um ihm Neuigkeiten über die Lage an Deck zu überbringen. Einige Meter von Adelar entfernt machte der Mann Halt und erstattete Bericht. 'Sire, wir haben das Gröbste überstanden! Es sieht so aus, als würde sich die See in der nächsten Zeit etwas beruhigen, wir können also die Reise wie geplant fortsetzen.' Ohne sich umzudrehen sagte Adelar mit fester Stimme: 'Gute Neuigkeiten! Wie geht es den Männern und Frauen an Deck, sind sie unversehrt?' 'Ja, Sire!', antwortete der Mann pflichtbewusst. 'Niemand trug schwere Verletzungen davon. Außer ein paar Prellungen und dem einen oder anderen aufgeschürften Knie ist alles in bester Ordnung!' Auch wenn niemand sonst es sehen konnte, so entspannten sich die Züge Adelars nun ein wenig. Er hatte befürchtet, dass Teile der Besatzung zu Schaden gekommen waren und es freute ihn, zu hören, dass dies nicht der Fall war. In gewohnt rauem Ton fragte er: 'Gibt es sonst noch etwas zu berichten, Matrose?' 'Ja, Sire! Wie mir der Steuermann soeben versichern konnte, werden wir unser Ziel voraussichtlich übermorgen erreichen!',antwortete der Seemann. 'In zwei Tagen also...', murmelte Adelar mehr zu sich selbst als zu dem Matrosen. 'Genau, Sire! Wenn der Wind sich nicht dreht, dann eventuell auch schon etwas früher. Ich muss sagen, Sie haben mit der Salia eine ausgezeichnete Wahl getroffen! Wohl kaum ein anderes Schiff hätte diese raue See so gut überstanden und wäre gleichzeitig so schnell an ihrem Ziel angekommen, wirklich hervorragend!' Adelar bedankte sich bei dem Matrosen für den Bericht, wobei er dessen Schmeicheleien übergang, und befahl ihm wegzutreten. Nach einem kurzen 'Zu Befehl!', salutierte der Mann und verschwand unter Deck, Adelar war wieder allein. Minuten vergingen, in denen er den Horizont nach dem kleinsten Anzeichen von Land absuchte, doch er wurde nicht fündig. Zwei Tage noch! Nur noch zwei Tage und wir können ein neues Leben beginnen, genau wie wir es damals wollten! Ohne dass er es gemerkt hatte, war das Meer tatsächlich ein wenig ruhiger geworden und die Salia glitt nun sehr viel weicher durch das Wasser. Sogar die Wolkendecke öffnete sich und die Sonne sandte ihre wärmenden Strahlen auf ihn und die gesamte Besatzung herab; es schien fast so, als wollte die Welt einen neuen Abschnitt im Leben der Menschen einläuten. Adelar legte seine Hände auf die hölzerne Reling, schloss die Augen und genoss die angenehme Wärme der Sonne. Er war gewillt, mit seinem bisherigen Leben abzuschließen und ein neues Kapitel zu beginnen. Bei dem Gedanken an sein vergangenes Dasein verkrampfte er sich, seine Finger bohrten sich in das Holz und ein Schatten legte sich auf sein Gesicht. Töricht war er gewesen, töricht und dumm, dass er geglaubt hatte, er allein könne sich den uralten Traditionen widersetzen und mit den hergebrachten Regeln brechen. Was war er nur für ein Narr! In dem ewigen Kampf zwischen Liebe und Blut gab es keine Gewinner, sondern nur Verlierer. Er selbst hatte dies schmerzlich erfahren müssen und ihm war nun bewusst, dass es für einen Mann seiner Abstammung nur eine Wahl geben konnte: das Blut! Doch er hatte sich für die Liebe entschieden, ihm war es egal gewesen, was alle Anderen, ja, sogar was seine eigene Familie von ihm hielt, er hätte alles für sie getan, für diese eine Frau, für Lorena! Es schmerzte in seiner Brust als er an sie dachte, an die Liebe seines Lebens und daran, wie sie ihm so abrupt aus seinen Armen gerissen worden war. Sie war die schönste Frau gewesen, die Adelar in seinem Leben erblickt hatte, und er war ihr vom ersten Tag an verfallen. Auch wenn sie keine Adelige gewesen war und nur aus einem einfachen Kaufmannshaus stammte, so war sie dennoch eine kluge, junge Frau gewesen, und ihr Charme und ihre Ausstrahlung hatten auf Adelar eine magische Anziehungskraft ausgeübt. Ihr erstes Treffen war schnell vorübergegangen, damals, als er sie im Palast seines Vaters während einer Versammlung der Handwerker und Kaufleute getroffen hatte. Ihr schüchternes Lächeln hatte ihn sofort verzaubert und die wenigen Worte, die sie gesprochen hatte, klangen in seinen Ohren noch immer wie die schönste Melodie. Er musste sie einfach wiedersehen, das hatte er sich selbst geschworen, und so suchte er kurze Zeit später den Laden ihres Vaters auf, nur um in Lorenas Nähe zu sein. Noch am gleichen Tag gingen sie gemeinsam spazieren und es offenbarte sich, dass Lorena die Zuneigung Adelars teilte. Von diesem Tag an trafen sie sich öfter, im Geheimen, da niemand von dieser Verbindung etwas erfahren dufte. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn herauskäme, dass sich der Sohn des Königs mit einer Bürgerlichen eingelassen hatte, nicht nur sein Ruf, sondern die Stellung der gesamten königlichen Familie wäre in Gefahr gewesen! Doch man sagt nicht umsonst: Liebe macht blind! Ihm war alles egal, er wollte nur noch Zeit mit seiner Geliebten verbringen und somit vernachlässigte er all seine Pflichten als Prinz, nur um bei Lorena sein zu können. Auch jegliche Versuche seines Vaters, ihn zu einer Trennung zu bewegen, scheiterten, obwohl Adelar genau wusste, dass er unter Umständen alles verlieren würde, sobald das Volk von ihm und Lorena erfuhr. Eine ganze Zeit lang ging alles gut, sowohl das Königshaus, als auch Lorenas Familie setzen alles daran, um die Verbindung der Beiden geheim zu halten. Aber es kam, wie es kommen musste, Lorena wurde schwanger. Einen unehelichen Sohn, der zudem auch noch aus einer Liebschaft mit einer Bürgerlichen hervorgegangen war, konnte sich das Königshaus nicht leisten. Es blieb dem König keine andere Wahl, er musste handeln! Andere Herrscher hätten nun wahrscheinlich den Weg des geringsten Widerstandes gewählt. Sie hätten Lorena und das ungeborene Kind ermorden lassen und sowohl über sie und Adelar als auch über das gemeinsame Kind Stillschweigen bewahrt. Auf diesem Wege wäre die Machtstellung des Königshauses nicht in Gefahr geraten und alles wäre so gewesen wie zuvor. Doch Adelars Vater war nicht so wie die anderen Herrscher. Er war ein gütiger König und er konnte die Handlungen seines Sohnes nachvollziehen, denn auch er selbst war einmal jung und verliebt gewesen. Trotzdem musste er etwas unternehmen, also ließ er eines Tages Lorena und Adelar zu sich rufen und berichtete ihnen von seinem Vorhaben. Sobald das gemeinsame Kind geboren sein würde, würden Adelar und Lorena zusammen mit einer ausgewählten Gruppe von fleißigen Männern und Frauen das Land mit einem Schiff verlassen. Sie würden niemals wieder in das Königreich zurückkehren können und das Volk durfte niemals über die Verbindung der beiden Liebenden erfahren. Ziel der Reise würde eine einsame, menschenleere Insel sein, auf die der König schon lange ein Auge geworfen hatte. Dort würden sie ein neues Leben beginnen und gemeinsam über das Land regieren. Ohne zu Zögern willigten Adelar und Lorena ein und während Lorenas Bauch immer mehr wuchs, bereiteten sie langsam alles für ihre Abreise vor. Sie waren so glücklich, so unfassbar glücklich darüber, dass sie ihre Liebe schon bald öffentlich machen und in eine gemeinsame Zukunft starten konnten. Es hatte alles den Anschein, als würde die Liebe über das Blut siegen. Aber es kam anders! Als der große Tag gekommen war, freuten sich alle Eingeweihten über das, was nun folgen würde und alles schien perfekt zu sein. Doch dann holte die grausame Realität die Liebenden ein und riss ihre Welt entzwei. Es kam zu Komplikationen bei der Geburt, denn Lorena hatte neun Monate lang nicht wie erwartet ein Kind ausgetragen, sondern sie gebar Zwillinge. Ihr Körper konnte den Anstrengungen einer doppelten Geburt nicht standhalten und während ihre beiden Söhne lebten, musste sie sterben. Bei dem Gedanken an den Verlust seiner Geliebten rann eine Träne Adelars Gesicht hinab. Er hatte Lorenas Tod nicht verkraften können und er war sich sicher, niemals wieder lieben zu können. Eine gemeinsame Zukunft war auf die grausamste Art und Weise zerstört worden, die ein Mensch sich nur vorstellen konnte. Doch trotz seines Verlustes war Adelar gewillt, den Plan, den sie gemeinsam mit dem König geschmiedet hatten, in die Tat umzusetzen. Lediglich die beiden Ringe an seiner Hand und die Krone auf seinem Kopf erinnerten ihn an vergangene Tage, denn die Zukunft sollte seinen Söhnen und den treuen Männern und Frauen gehören, die ihn auf seiner Reise begleiteten. Nur für seine verstorbene Geliebte trat er diese beschwerliche Reise an, denn er wollte in ihrem Namen für sich selbst, für seine Söhne und für alle anderen eine Heimat errichten, eine Heimat, die ihren Namen tragen sollte, den Namen von Lorena Sargoneh; Sargonei! 1. Zurückweisung Wieso nur können sie es nicht begreifen?, fragte er sich selbst zum tausendsten Mal und ballte wütend die Fäuste. Wie kann man nur so verblendet sein und die Augen vor der Wahrheit verschließen? Haben sie denn gar nichts aus der Vergangenheit gelernt? Unzählige Male war er bereits zu ihnen gekommen und hatte versucht, sie von seiner Sache zu überzeugen, doch genauso oft hatten sie ihn abgelehnt. Er hatte nichts unversucht gelassen, um ihnen zu verdeutlichen, dass es nur den einen, seinen, Weg gab, damit sich die Geschehnisse der Vergangenheit nicht wiederholten. Seit der Ankunft der Fremden hatte er sein Anliegen immer wieder vorgetragen, hatte an die Vernunft seiner Leute appelliert und mit mahnendem Finger auf die Vorkommnisse verwiesen, die so viele von ihnen das Leben gekostet hatten. Doch seine Worte waren nur auf taube Ohren gestoßen. Sie wollten nicht kämpfen, wollten nicht ihr eigenes Dasein verteidigen, sondern lieber auf den unausweichlichen Tod warten. Diese verfluchten Narren!, schimpfte er in Gedanken. Wir hätten schon von Beginn an das Unkraut mitsamt Wurzel herausreißen sollen, um die Gefahr ein für alle Mal zu vernichten! Aber nein, sie wollten abwarten, sich verstecken, darauf hoffen, dass nichts passieren würde. Pah, dass ich nicht lache! Wir haben lange genug gewartet, jetzt ist es Zeit zu handeln! Wenn sie doch nur ein einziges Mal die Augen öffnen würden, dann würden sie erkennen, dass Krieg die einzige Sprache ist, die diese Barbaren sprechen und früher oder später werden sie diesen Krieg auch zu uns tragen! Seine Fingerknöchel traten unter der zornigen Kraft, die in ihm tobte, weiß hervor, aber er bemerkte es nicht, da er vollkommen in Gedanken versunken war. Doch soweit werde ich es nicht kommen lassen! Auch wenn ich offenbar der Einzige bin, der bei klarem Verstand ist, ich werde nicht tatenlos herumsitzen, ich werde etwas unternehmen! Dass gerade Diejenigen, die er früher noch zu seinen Freunden gezählt hatte, ihn nicht unterstützten, ja ihn sogar mit Missachtung straften, hatte ihn anfangs schwer getroffen. Mittlerweile aber hatte er sich damit abgefunden und er wollte sie alle retten, ganz gleich wie schlecht sie ihn auch behandelt hatten, denn spätestens dann würden sie zu der Erkenntnis gelangen, dass er von Anfang an Recht gehabt hatte! In den letzten Monaten hatte er ausgiebig die alten Schriften studiert und jeden einzelnen Abschnitt der antiken Chroniken genauestens geprüft, mit Erfolg! Vor wenigen Tagen war er auf den entscheidenden Hinweis gestoßen, der alles verändern würde. Bisher hatte er niemandem von seiner Entdeckung erzählt, denn er wollte zuerst genügend Beweise für seine Theorie sammeln. Er war sich zwar sicher, dass seine Nachforschungen nichts als die unerschütterliche Wahrheit hervorgebracht hatten, doch er wusste auch, dass handfeste Beweise immer besser als flüchtige Worte waren. Er würde diesen Beweis liefern, schon bald. Dann würden sie ihm endlich glauben und es bliebe ihnen gar nichts anderes übrig, als ihm zu folgen; dafür würde er schon sorgen.